Tag 6/7: Die Nacht

Tag 6/7: Die Nacht (Bericht aus dem Betreuertarp)
Ort: Kleines Paradies
Stimmung: zwischen schlafen, wachen, schreien und weinen
Wetter: sintflutartiger Regen

Zum nun insgesamt dritten Mal wurde das Betreuertarp im kleinen Paradies aufegschlagen. Der Routine wegen musste das Tarp natürlich wieder genau dort stehen, wo es schon zweimal gestanden hatte: Auf einer Anhöhe, von der aus man den Blick auf das gesamte Paradies hat, nämlich auf die Flusslandschaft, auf die Berglandschaft und auf den beeindruckenden Wasserfall.
Beim Aufbau des Tarps akmen Erinnerungen hoch:
Die Stelle auf der Anhöhe des Tals ist nicht unbedingt die Stelle, wo unmittelbare Windstille herrscht, schon die letzten Male hatte das Tarp Mühe, uns einen guten Unterschlupf zu gewähren… aber was kümmert uns das? Hat doch schon immer funktioniert! Irgendwie…
Nach dem Abendessen und einem leckeren Heißgetränk gingen wir Betreuer Richtung "Bett". Unterm Tarp angekommen, fing es auch direkt wieder an zu regnen. Das kennen wir ja schon… Naja, wir nicht ganz. Im Paradies schien bislang immer die Sonne.
Wir schliefen relativ schnell ein und ahnten nicht, was die Nacht noch bringen sollte…
Irgendwann gegen halb zwölf wachten wir auf. Grund? Die mittlere Tarpstange ist umgefallen und das Tarp begrub uns unter sich. Es schüttete aus Eimern… Kein Problem! Stellen wir die Tarpstange einfach wieder auf. Damit die Tarpstange keine Löcher beim Umfallen ins Tarp reißen kann, setzten wir einen Alubecher auf die Spitze. Gerade wieder eingerichtet, fiel die Stange wieder um… Wo ist der Becher? Egal! Haben ja noch zwei.
Nachdem wir wieder fast eingenickt sind, stellten wir fest, dass die frontale Seite des Tarps stark im Wind flatterte. Die frontale Abspannleine hatte sich gelöst. Dies musste die Ursache sein, dass die mittlerer Stange immer umfiel. 
Währedn einer kurzen, heftigen Diskussion zwischen Philip und mir, ob dies nun wirklich, also wirklich(!), die Ursache sei und ob es sich lohnen würde, dafür aus dem warmen Schlafsack zu schlüpfen, leicht bekleidet durch den sintflutartigen Regen, bei Eiseskälte um die Abspannleine zu tanzen und anschließend völlig durchgefroren wieder in den Schlafsack zu kriechen, hatte Jule schon ihre Regenjacke angezogen und machte sich an die Arbeit… Puuh… schlafen…
Ca. zwei Stunden später fiel die Tarpstange wieder um. Das Tarp lag wieder auf uns. Schnell den Becher geangelt und die Stange stand wieder.
Ich merkte an, dass der Platz von vornherein blöd gewählt war. Philip konterte, dass ich ja darauf betsanden hätte, die Stange wieder etwas höher zu setzen. Von Jule hörten wir, glaube ich, ein Augenrollen: Die Abspannleine hatte sich wieder gelöst… 
Zwischen Philip und mir brach ein Streit darüber aus, wer nun an der Reihe sei. Außerdem konnte man auf dem Wege das ganze Tarp insgesamt tiefer setzen. Das bedeutete alles neu spannen… Mmh… oder doch mit der Trillerpfeife mit drei langen Pfiffen das absolute Notfallsignal an die Schüler absetzen?! Gute Idee smiley
Letztlich fand ich mich dann doch kurze Zeit später draußen im strömenden Regen, bei Eiseskälte und frischer Brise an den Tarpstangen wieder. Als ich dann die letzte Leine spannen wollte, riss diese dann zum Glück noch…
Philip knotete vom Schlafsack aus eine neue dran. Jule warf mir einen Hering zu und – Zack – war ich endlich wieder im Schlafsack: frierend, nass, müde.
Der heftige Regen hielt noch bis ca. 7:00 Uhr an. Die Stange fiel in der Zwischenzeit noch 3-4 mal um. Zwischenzeitlich tat sich auch die Frage auf, ob es nicht einfacher wäre, einfach mit dem Tarp auf dem Gesicht weiterzuschlafen. Letztlich schliefen wir dann doch noch eine Weile ruhig weiter… bis wir dann von einigen Sonnenstrahlen gekitzelt wurden. Wir hoben die Köpfe hoch und dachten:
Was für ein schönes Plätzchen für das Tarp…!