Retour aux Sources

Auf das Schulfest „Retour aux sources“ habe ich mich schon gefreut, seitdem ich die ersten Proben der Tänze gesehen habe. Es war unglaublich zu sehen, wie gerne die Schüler länger in der Schule blieben um traditionelle Tänze einzustudieren. Für sie war es eine Ehre auf dem Fest auftreten zu dürfen und so die Region ihrer Eltern und Großeltern zu vertreten. Wenn man in Deutschland lebt, dann ist man es nicht gewöhnt das Menschen so stolz auf ihr Land sind. In Deutschland haben wir zwar einige Traditionen, aber kaum jemand weiß, woher die eigentlich kommen oder was sie besonders macht. Ich war nie wirklich stolz eine Deutsche zu sein. Unsere Geschichte ist wohl eine der blutigsten, die ein Land haben kann. Zu sehen, wie die Schüler ihre Traditionen feierten, ließ mich wünschen, dass wir das auch mehr tun würden. Schließlich ist nicht alles an Deutschland schlecht. In Deutschland werden manche Rechte gar nicht in Frage gestellt, um die in anderen Ländern noch gekämpft werden muss. Trotzdem würde niemand auf die Idee kommen eine Deutschlandflagge zu hissen, wenn nicht gerade WM ist.

Zurück zu den Vorbereitungen des „Retour aux sources“: Ich hatte schon zu Beginn unserer Reise mit einigen Kamerunerinnen über die verschiedenen Tänze gesprochen, die mich so faszinierten. Sie erklärten mir, dass die verschiedenen Regionen Kameruns unterschiedliche Traditionen haben. Zu diesen Traditionen gehören auch die verschiedenen Tänze und Kleider. Einige der Schüler sprechen sogar die Sprache ihrer Region, obwohl sie schon ihr Leben lang in Yaoundé lebten.

Am Tag „Retour aux sources“ trugen alle Schüler Kleidung aus dem gleichen Stoff. Diesen Stoff hatte man in den vorherigen Tagen in der Schule kaufen können und ihn dann zu einer Schneiderin geben müssen. In Kamerun ist es deutlich günstiger als in Deutschland sich ein maßgefertigtes Kleid anfertigen zu lassen und die Schüler hatten sich allerlei kreative Schnitte ausgedacht. Viele von ihnen waren am Vortag noch zu Frisör gegangen und trugen nun lange Rasta. Einige Mädchen liefen sogar den ganzen Tag in High Heels herum und das obwohl der Schulhof uneben und staubig war. Für diesen Tag wollte eben jeder gut aussehen.


Die einzelnen Gruppen stellen sich für die Darbietungen auf - hier die Schülerinnen und Schüler der Volksgruppe der Eton-Manguissa

An diesem Tag waren die sonst so strengen Lehrer um einiges entspannter. Beispielweise wurde Schminke und andere Frisuren als die vorgeschriebenen akzeptiert und die meisten Schüler kamen viel zu spät zur Schule. Aber als alle endlich da waren, konnten die Festlichkeiten beginnen.

Das Fest bestand aus zwei Teilen. Zuerst stellten sich die verschiedenen Regionen vor. 10 Regionen waren vertreten und schon vor ihrem Auftritt konnte man sehen wie unterschiedlich sie waren. Eine Region aus dem Norden Kameruns hatte sogar ein Pferd dabei.

Die Vorstellung fand auf dem Sportplatz statt. Es war eine überdachte Tribüne aufgebaut und viele Gäste waren dort.

Die verschiedenen Volksgruppen kamen eingelaufen, hielten eine Rede in ihrer Sprache und überreichten der Schulleitung einen Geschenkkorb mit etwas typischen aus ihrer Region.

An Kleidung und Requisiten konnte man sehen, dass einige Volksgruppen von ihnen eher Jäger waren und andere beispielsweise Zuckerrohr anbauten.

Es gab auch Reden von der Schulleiterin und einigen Gästen.


Die Ansprache der Schulleiterin Soeur Anastasie

Das Programm ging mit den Tänzen weiter. Die verschiedenen Regionen führten ihre Tänze auf. Selbst das ungeübte Auge konnte sehen, dass es Unterschiede in den Bewegungen und der Musik gab. Außerdem waren die Tänzer sehr verschieden gekleidet. Einige trugen beispielsweise Strohröcke und weiße Bemalungen. Oft wurde während des Tanzes laut gerufen und gesungen. Auch wenn hauptsächlich Mädchen tanzten, gab es auch einige Jungen die getanzt haben.

Es war unglaublich interessant die Tänze zu sehen und mitzuerleben wie fest verwurzelt die Kameruner mit ihrer Kultur sind. In den Tänzen konnte man die Lebensfreude sehen, die mir beigebracht hat das Land so sehr zu lieben.


Nach den Tänzen anregende Gespräche - hier im Deutschraum mit der PASCH-Gruppe mit dem Minister für Hochschulbildung

Der Tag „Retour aux sources“ war einer unserer letzten Tage in Kamerun und er machte es noch ein bisschen schwerer zu gehen.

Ronja Kroll

Tag: 
Samstag, 4. Februar 2017