Auf nach Bachant!

Bericht von Sascha:

Der unbarmherzige Weckton des Handys durchschnitt das Morgengrauen der Berufsschule wie ein Messer und setzte den sanften Träumen der SchülerInnen ein rabiates Ende. Die Jungs rutschten einen Meter tiefer in ihren Schlafsack und hofften, Opfer eines Albtraumes zu sein. Doch um 7 Uhr hatte auch die snooze-Phase schließlich ihr Maximum erreicht, keine gnädige Betreuerhand gewährte einen weiteren Aufschub und unter verachtendem Ächzen und Stöhnen sahen alle dem unausweichlichen entgegen: Zeit aufzustehen. Zum Frühstück gab es Waffeln aus dem Automat und Handyspiele. Mit der Zeit minimierten sich die Klamottenberge und Essensreste und Punkt 10 Uhr saß die gesamte Gruppe gesattelt und mit geputzter Nase auf ihren Drahteseln.

Da wir beschlossen hatten, den Einkauf während der Mittagspause zu erledigen, rollten die Räder flott Richtung Fluss in den ersten gold-grauen Herbsttag unserer Reise. Es war frisch geworden und die ein oder andere Jacke wurde bereits angezogen, die Zeit des Schwitzens war wohl endgültig vorüber. Der Radweg schlängelte sich von Thuin aus an der schönen Sambre entlang, die nun endlich ihre natürliche Romantik entfalten konnte und nicht von abgrundtief-industriellen Endzeitkulissen verstümmelt wurde (wie kurz zuvor in Charleroi).

Die erste längere Pause musste eingelegt werden, nachdem Armins unkaputtbarer Reifen kaputtgegangen war. Viele Hände flickten den Reifen in Windeseile und schon konnte es weitergehen.

Die Grenze passierten die Reisenden beinahe so unspektakulär wie die vorherigen zwei. Nur das Schild mit der Ankündigung: Paris 250 km deutete darauf hin, dass wir nun endlich französischen Boden erreicht hatten (das vorerst letzte Schild dieser Art für den Rest des Tages). Schließlich erreichten wir Maubeuge, das Mittagsziel und Opfer unseres Einkaufwahns, der das Essen für die kommenden drei Tage beschaffen musste. Ein Spar, der in etwa die Größe eines Tankstellenhäuschens einnahm, wurde geplündert und bis zum letzten Nutellaglas ausgenommen. Der Mittagssnack wurde anschließend auf einer schönen Wiese am Fluss eingenommen.

Leider war seit der französischen Grenze auch die Industrialisierung zurückgekehrt und drängte uns kurz hinter Maubeuge von unserem unkomplizierten Weg ab. Die Franzosen hielten es wohl auch nicht für nötig, den sportlich Aktiven eine Umleitung zu bieten und so mussten wir unseren Weg an der Landstraße entlang suchen - laut, stressig, stinkend und das schlimmste: Berge. Eher gesagt: Gebirge! Gesteinsmassen taten sich vor uns auf, die mit unseren tonnenschweren Gefährten zu bezwingen es galt. Der Weg war hart und knochig, doch auch diese Herausforderung wurde mit Bravour gemeistert und so landeten wir schließlich im Örtchen Bachant.

Auf einem kleinen Plätzchen bildeten wir die Base für die Unterkunftssuche und die Suchtrupps wurden ausgesandt. Währenddessen versammelte sich Bachants Dorfjugend mit Mountainbike und Dackel und begutachteten die Attraktion. Das Rathaus höchstpersönlich organisierte uns daraufhin eine knackige Wiese neben dem Sportplatz, welche mit lautem Rülpsen und in Begleitung der Dorfjugend in Beschlag genommen wurde. Mal schauen was der Abend noch bringt, hoffentlich keinen Regen.