Tag 10: 24-Stunden-Solo

[Alle folgenden Berichte erreichen mich auf unserer Klassenfahrt und sind mit dem Mobiltelefon transkribiert und die Einträge editiert. Daher manche Holprigkeit... WEB]

Tag 10: 24-Stunden-Solo
In:
Finndalen
Wetter: Tagsüber blauer Himmel, Sonne, gefühlte 20°, nachts unter 0°
Stimmung: gut, angespannt, freudig, der langweilt, entspannt, nachdenklich
Spruch des Tages: „Ich verspreche von nun an zu schweigen.“

Um 7:30 Uhr klingelte der Wecker im Betreuer-Tarp. Seit Tagen hängt es schon in der Luft: das 24-Stunden-Solo! Philipp und ich wecken die Gruppe mit einem traditionellen, lauten: „Guten Morgen Norwegen!“ Der Himmel ist blau. Die Sonne kommt gerade über den Berg. Sowie auch zwei Gruppen Hamburger Studenten. Sie machen sich heute auf den Rückweg. Nach knapp einer Woche hier in Norwegen. Wir bleiben noch eine Woche…
Nachdem alle aus ihren Zelten gekrochen sind, gibt es eine satte Portion Müsli. In der anschließenden Morgenrunde kündigen wir das 24-Stunden-Solo an. Zwei Kids jubeln. Der Rest blickt irgendwie wissend und wenig überrascht in die Runde. Je mehr wir ins Detail gehen, desto ruhiger und angespannter wird die Stimmung. Bevor es aber losgeht, soll jeder sich noch mal im kalten Bach waschen und seine Sachen in der Sonne trocknen. Dann soll sich ein schöner Platz für das Solo gesucht werden.
24-Stunden-Solo heißt: allein im Gelände mit Schlafsack, Isomatte und einem Teil des Zeltes 24 Stunden klar zu kommen und sich ganz auf sich zu besinnen. Ohne Buch, MP3-Player oder Schnitzmesser. Nachdem alle fertig gewaschen und organisiert waren, legt jeder noch vor einem von Annika und Emilia gebauten Tor ein Schweigegelübde ab: Man darf erst wieder reden, wenn man durch das Tor ins Lager zurückkehrt. Der einzelne geht nun mit dem Betreuer durch das Tor bis hin zu seinem gewählten Platz. Ein kurzer Wink zum Abschied und das Solo beginnt. Manche richten direkt ihr Lager ein, andere genießen zuerst die Aussicht und das Wetter. Kein Platz gleich dem anderen: direkt am Fluss auf einem Felsen, auf einem Berg, in einem Tal oder einfach mitten im Gelände gar nicht weit weg vom eigentlichen Lager.

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Nach und nach werden es immer weniger Teilnehmer im Lager. Es kehrt immer mehr Ruhe ein, bis nur noch wir übrig sind. Annika, Jule und Emilia genießen die warme Sonne und die Stille. Philipp führt selbst auch das Solo durch. Ich mache mich erneut auf den Weg nach Bortelid um Dinge aus dem Basislager nachzuholen. Wenn man hier Dinge vergisst, wird es direkt bestraft: Nun also erneut 3 Stunden unterwegs sein. Was soll’s…
Als ich gegen 18:00 Uhr zurück bin, begegne ich Manchem bei seinem Solo. Alle sehen sehr zufrieden und ruhig aus. Die Sonne geht langsam unter. Ich sehe in der Ferne schon das Feuer im Lager brennen und Annika, Jule und Emilia, die Nudeln mit Tomatensoße vorbereitet haben. Nach dem Essen machen wir eine letzte Kontrollrunde, um zu sehen, ob alle in ihrem Solo klarkommen. Fast alle sind an ihrem Platz geblieben, träumen oder schlafen. Einzelne sind umgezogen. Andere konnten das Schweigegelübde nicht halten und redeten mit Freunden in der direkten Umgebung. Offensichtlich ist es gar nicht so leicht, es mit sich selbst oder der Langeweile auszuhalten.
Zurück im Lager sammeln wir alle aufgehängten Kleidungsstücke der Kids ein und sichern Sie für die Nacht. Die Sonne ist mittlerweile schon lange hinterm Berg verschwunden und Nebel liegt sich über das Tal. Die ersten Sterne sind zu sehen und es wird immer kälter. Der Mond hebt sich hell über den Berg. Ein wunderbarer Abend im Finndalen. Nach einigen Stunden am Lagerfeuer wird uns immer kälter. In Jules Trinkflasche finden sich mittlerweile kleine Eiswürfel, meine am Abend gewaschen Kleidungsstücke sind auf der Leine gefroren, auch das Tarp ist bald hart wie ein Brett. Es ist offensichtlich unter 0°. Ein wunderbarer Sternenhimmel erstreckt sich über uns. Vor Kälte zitternd können wir ihn nun aber nicht mehr genießen. Schnell in den Schlafsack!
Gute Nacht Kinder. Wir hoffen, ihr seid gut eingepackt!

Bericht: SOR